Wir stehen zwei Tage vor Samhain; es könnte also nicht passender sein, dass ich endlich die Worte und Gedanken zu jenem Werk zusammenfasse, welches ich bereits diesen Sommer als Fortsetzung der ersten Reihe verschlungen habe.
Wie bereits in meinem ersten Gedankengut erwaehnt, Kardia will nicht gefallen, es laesst dich direkt in die Dunkelheit und Abgruende jener Charaktere schauen, nach denen wir uns fiktional sehnen.
In der folgenden Review wird es Spoiler für den zweiten Teil der Reihe von Kardia geben.
WILLKOMMEN IM HAUSE DES TODES
Bei einem Harem war durchaus damit zu rechnen, dass jedes Buch einen unserer männlichen Hauptcharaktere bekommt und somit vier Bücher im Ganzen die Einsichten und Blicke zu jenen Charakteren zeigen. Der erste Band lud bereits in die komplizierte Beziehung zwischen Samael und Alys ein, während uns die anderen drei Herren mehr oder minder auf einem Silbertablett angepriesen wurden und man die ersten Vermutungen aufstellen konnte.
Der Moment, als das Ganze eine Richtung der griechischen Unterwelt jener Daemonen bekam, war für mich klar, dass mindestens einer von ihnen mein geliebter Thanatos sein musste. Thanatos – Gott des Todes in der griechischen Unterwelt und eine Personifikation, um den sich mittlerweile mehrere FantasiegGeschichten ranken. Was gibt es Einladenderes, als die Liebe zu dem Tod selbst?
LEHRER X SCHÜLERIN
Die Machtdynamik zwischen einem oft männlichen älteren Charakter und einem oft weiblichen jüngeren Charakter ist sowohl in Fiktion als auch im Schauspiel bekannt. Spaetestens seit der problematischen Dynamik zwischen Ezra und Aria aus Pretty Little Liars, hat jene Dynamik oft einen bitteren Unterton und laesst mich persoenlich oft erbrechen. Bei Kardia 2 wiegt Morosis jedoch jene Dynamik auf einem anderen Silbertablett. Sie serviert sie uns nicht nur, sie lässt uns in ihre Welt eintauchen. Das zweite Buch jener düsteren Welt um Mallory führt uns in die Tiefe jener Dynamik sowie in das menschliche Leben jener Verkörperung des Todes.
Für meinen Geschmack von Thanatos und Verkörperung war Aron mir persönlich zu lasch und langweilig (mich interessiert solche Art von Charakteren einfach nicht, dazu mehr bei Kardia 3). Widerum herbergt Aron ebenso Tiefe wie Fundament, die Morosis bei allen ihren Charakteren aus Lebendigkeit und Balance zwischen Muse und Kreativität schöpft.
RITUAL SEX UND FAMILY DRAMA
Während mich Family-Dramen wie We Were Liars, Dynasty oder Succession schon oft psychologisch in den Bann gezogen haben, waren auch hier bei Arons Familie mein Interesse und meine Empathie Mangelware. Dennoch ist die Spannung genauso erhalten wie im ersten Buch, und wir vertiefen die Reise und die Dynamiken um die Charaktere der Mallory. Wer ebenso wenig Fan von Aron ist wie ich, der kommt dennoch auf seine Kosten und Ermittlung jener Spuren der Charaktere, die weiterhin das Netz weben. Wir blicken nicht mehr nur in die Dunkelheit, wir sind von ihr umgeben, und es ist an uns zu entscheiden, welchen Charakteren wir unser Vertrauen schenken wollen. Gleichauf wie der erste Band sorgt Teil 2 ebenso für hitzige Momente und wer in die Tiefe seiner Kinks eintauchen möchte, kommt durch den Ritualsex oder die heiße Kerker-Szene mit Samael definitiv nicht zu kurz.
DENNOCH HINTERLÄSST DER TOD SPUREN
Die Philosophie und Tiefe sind dennoch genauso stark und präsent wie im ersten Teil. Morosis scheut sich nicht, mit einer Taschenlampe in die Tiefen der Psyche jener Charaktere zu leuchten und uns als Leserschaft mal wieder aufzufordern, mit welchen Dunkelheiten wir uns selbst beschäftigen wollen oder gar können. Auch wenn Aron nicht meinen Geschmack getroffen hat, hinterlässt seine Geschichte Spuren in meiner Seele, die sich als psychologischer Spiegel in mich eingebrannt haben. Wie weit würde jemand gehen für die Liebe zum Tod? Wieso ist es immer noch ein Tabu, so offen über jene Sache zu reden, die uns alle betrifft? Jene Dunkelheit in Büchern, wie Morosis sie schreibt, ist Herausforderung als auch Annahme und Reflexion zugleich. Ein Paradox, wie Persephone selbst als Königin der Unterwelt und des Frühlings.
Was der dritte Band an Spuren in mir hinterlassen hat, weiß ich bereits, doch für euch, meine lieben Leser:innen, heißt es: warten bis 2027, wenn der dritte Band erscheint und ich erneut den Vorhang hebe und meine Gedanken zu jenem Thema teilen werde.
Mit Liebe und Melancholie,
LC WOLFF